Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Auf der Straße

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Fatih Kurceren, Gelsenkirchen, 2013 (zurück zur Übersicht)

Fatih steht im Schaufensterlicht der Galerie auf dem Bürgersteig. Um den Hals klemmt ein Kopfhörer größerer Bauart. Fast schaut er aus wie einer der Jungs, die er hier in Ückendorf fotografieren will. Junge Ausländer, Russen, Albaner, Roma aus Italien, Araber. Kaum Türken, wie Yasif einer ist. Er ist vor 13 Jahren aus Istanbul nach Deutschland gezogen, der Sprache wegen. Und lebt jetzt mit seiner deutschen Frau in Oberhausen.

2 Stunden treiben wir über den Bürgersteig zwischen den Möglichkeiten des Ückendorfer Nachtlebens. Fatih fotografiert sie locker, die jungen Männer der Bürgersteige. Es gab schon Schwierigkeiten, manche wollten bezahlt werden, andere hatten die unmöglichsten Ängste. Durch seine Aufmerksamkeit und die der Kamera waren Sie eher verschreckt. Das kennen Sie nicht.

Fotografie ist leicht. Sagt er. (Ich ahne, von wem er das Mantra hat.) Und er widerspricht sich sofort. Musik, Tanz, die Malerei und auch das Schreiben sind ihm gleich wichtig. Fotografieren ist eine anstrengende Art sich auszudrücken. Sagt er. Und es ist schwer, gleichzeitig mit den Jungs der Straße zu reden und sie dabei zu fotografieren. Das Eine unterbricht das Andere beständig. Das Knipsen mit dem Apparätchen, diese winzigen Ausschnitte, die man sich vor das Gesicht hält.
Er hat lange Arme, lange Hände und schöne Finger, mit denen er mir die Pantomime des Fotografierens vorspielt. Dennoch strengt ihn das Fotografieren an. Es ist so wenig unmittelbar.

Er mag die Dunkelheit dieses Abends. Das zerrissene Licht im übergestülpten Schwarz der Nacht. Der Falschfarbenmix. Den Jungen steht das gut. Es sieht nach Geheimnissen aus. Etwas Hollywood. Dennoch will Fatih nicht an diesem Projekt weiter arbeiten. Es ist ihm zu klein, wie er sagt. Er mag die großen historischen Momente. Der Völkermord in Armenien, das war sein Examensthema. Hier, in Ückendorf, scheint Geschichte für ihn beendet. Mit den Roma aus Italien, den Rumänen, Russen. Den Arabern aus der 2.Generation.

13 Jahre sind noch zu kurz für wirkliche Geschichte.


Text: Max Schulz

© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Fatih Kurceren