Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Metropolenshopping – Bau der Shopping-Mall am Limbecker Platz, Essen

Metropolenshopping – Bau der Shopping-Mall am Limbecker Platz, Essen zurück zur Übersicht

Bernd Langmack, Essen, 2007-2008 (zurück zur Übersicht)

„Metropolen-Shopping“, Essens neuer Konsumtempel am Limbecker Platz

Fotografie: Bernd Langmack, 2007-2008

Was Stadtplanern und Regionalpolitikern seit mehr als 150 Jahren nicht gelungen ist, nämlich das Ruhrgebiet zur MetroPolis zusammenzuschließen, gelingt den Strategen der Werbeindustrie im Handumdrehen. Das Ruhrgebiet wird über Nacht zur „Metropole Ruhr“ ernannt. Eine Diskussion über den Wahrheitsgehalt des Schlagwortes findet nicht statt. Im Gegenteil: Angesichts üppiger Etats, mit der die öffentliche Hand die beauftragten Marketinggesellschaften ausstattet, um die Kulturhauptstadt 2010 als „Metropole RUHR“ in den Köpfen der Bevölkerung zu verankern, überbietet man sich in der Ableitung immer neuer Euphemismen. Mangelnder Realitätsbezug ist dabei kein Hindernis, er wird durch gebetsmühlenartige Wiederholung kompensiert:
In „Buch eins“ der RUHR.2010 GmbH, in dem man das Programm für das Kulturhauptstadtjahr 2010 vorstellt, wird der Begriff Metropole auf 150 Seiten nicht weniger als 216-mal wiederholt.

Begierig wird die so vollzogene Adelung des Ruhrgebietes zur Metropole vom Schlage New Yorks, Londons oder Roms in der Strategie der privaten Werbewirtschaft aufgegriffen. Den Vogel schießt dabei die zuständige Agentur für das im Jahre 2008 eröffnete Einkaufszentrum am Limbecker Platz in Essen ab: Das Einkaufen im überdachten Konsumtempel mit mehr als 200 Geschäften wird kurzerhand zum „Metropolen-Shopping“ erklärt, durch das die Stadt Essen nun definitiv „Weltklasse“ erlange (Slogan: Metropolen-Shopping - Essen wird Weltklasse).

Der euphemistische Charakter des Begriffs Metropolen-Shopping wird durch einen Vergleich zwischen den erweckten Assoziationen und der Realität deutlich. Der Begriff soll Erinnerungen an einen Einkaufsbummel in gewachsener Urbanität auf geschichtsträchtigem Pflaster und inmitten einer abwechslungsreichen Architektur suggerieren; der Reiz des Flanierens oder des Verweilens in einem Straßencafe oder auf einer Bank unter alten Bäumen schwingt hier mit, oder auch die Hoffnung auf das Finden eines lange gesuchten Artikels in einem Geschäft mit einem Angebot abseits des Mainstreams. Nichts davon findet sich in der Realität. Tatsächlich wird nur die Ödnis der Malls auf dem flachen Lande ins Zentrum der gewachsenen Stadt importiert:

„Typische Elemente der Zwischenstadt [also der in das Land ausufernden Vorstadt] dringen ... in die Alte Stadt ein. ... Hierzu zählen große innerstädtische Projekte, wie z. B. Urban Entertainment Center und introvertierte Shoppingcenter unmittelbar an den zentralen Fußgängerzonen. Sie tragen mit vielen tausend Quadratmetern Nutzungsfläche in großen Gebäudekomplexen an inneren, privaten Erschließungswegen die Charakteristika der Zwischenstadt in die Innenstadt – mit innen gelegenem, pseudoöffentlichem Raum in privatem Besitz und privater Kontrolle sowie mit der Funktionalisierung des öffentlichen Straßenraums als bloßer Transportgelegenheit.“ (Th. Sieverts et al., Zwischenstadt – Inzwischen Stadt?, Verlag Müller + Busmann, Wuppertal 2005)

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