Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Park - Stadt Oberhausen

Park - Stadt Oberhausen zurück zur Übersicht

Thomas Wolf, Oberhausen, 2003 (zurück zur Übersicht)

Schönheit wird immer erst in Bildern sichtbar. Längst bevor wir auf Reisen die bedeutenden historischen Stadtzentren real erleben, haben sie sich uns durch Postkarten, Bildbände und Filme eingeprägt. So war das Bild von Oberhausen seit der Jahrhundertwende bis in die 1970er Jahre das einer Stadt der qualmenden Schlote: Dass das Zentrum der Stadt Oberhausen zwischen Hauptbahnhof und Rathaus eine einzigartige Park-Stadt ist, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstand und bis heute in ihrer Substanz erhalten ist, passt nicht in unser Bild der Stadt der qualmenden Schlote. Dabei bedarf es nur eines einzigen Luftbildes des Zentrums der Stadt, um zu sehen: Kostbare Baumalleen und ausgedehnte Grünflächen durchziehen die Stadt wie ein Netz pulsierender Adern und kräftiger Lungen, und aus dem grünen Meer wachsen Verwaltungsgebäude, Schulen und Wohnviertel – wie in einer Park-Stadt.
Seitdem die Industrialisierung im 19. Jahrhundert die Landschaft in sich aufsaugte, wurden in allen Städten des Ruhrgebiets – als Ersatz für verlorene Natur – Baumalleen und Parks angelegt. Was jedoch im Zentrum Oberhausens von 1900 bis in die 1930er Jahre entstand, war die Verwirklichung einer großen städte-baulichen Utopie der modernen Architektur: Die Mitte der Stadt selbst wurde zum Park gemacht.
Ein spannungsvolles Gleichgewicht von Baukörpern, Grünflächen und Verkehrs-wegen entfaltet sich dabei nicht nur horizontal, sondern auch vertikal: Vom Vorplatz des Hauptbahnhofes bis zum Rathaus auf dem ehemaligen Galgenberg bewirken die auf unterschiedlichem Niveau liegenden Parkanlagen eine aufregen-de Terrassengliederung, die ihren Höhepunkt im Grillo-Park und dem aus ihm herauswachsenden Rathaus findet, das sich wie ein Ozeanriese aus dem grünen Meer erhebt.
Eine in Deutschland einzigartige Park-Stadt moderner Architektur ist damals entstanden, aber man hat sie jahrzehntelang nicht mehr wahrgenommen. Die Parks hatten sich in den 1960er Jahren dem Blick verschlossen, waren von wild wachsenden Hecken und Sträuchern eingeschlossen. Kein Auge konnte die wunderbare Einheit von Stadt und Park mehr erfassen. Nun wird die Park-Stadt aus dem Dornröschenschlaf wiedererweckt, die Hecken beschnitten, die Bäume aufgeastet, die Randsteine der Parkwege aufgerichtet. Im Jahr des 75. Stadtjubiläums wird die Park-Stadt am Grillo-Park und Rathaus wiedergeboren. Sie wird schöner sein als je zuvor, denn in den vergangenen Jahrzehnten sind die auf den alten Fotos noch unscheinbaren Bäumchen zu mächtigen Bäumen herange-wachsen, die in räumlicher Wechselwirkung mit dem backsteinexpressionistischen Gebäudeensemble und den ausgedehnten Grünflächen – im Wandel von Licht und Schatten – erst ihre ganze Schönheit offenbaren.
Der Idee der Park-Stadt lag ein ganz anderer Gestaltungswille zugrunde als dem gründerzeitlichen Bauen, das Schönheit vor allem in repräsentativen Fassaden darzustellen versuchte. Schönheit einer Park-Stadt bedeutet dagegen, den gesamten Stadtkörper so zu gestalten, dass Gebäude, Grünflächen und Verkehrswege einen lebendigen, lichtdurchfluteten Organismus bilden, der den Menschen Raum zum Atmen schafft, der Landschaft endlich wieder zurückholt ins Zentrum der Städte.
Die Fotografien von Thomas Wolf machen uns diese Schönheit bewusst, zeigen uns
in Luftaufnahmen, Total- und Detailansichten diese Stadt – durch die wir täglich gehen –, wie wir sie noch nie gesehen haben. Erst durch diese Bilder lernen wir die Schönheit sehen – und durch die Texte des „Stadtschreibers des Ruhrgebietes“, Roland Günter.
Heute ist diese Park-Stadt als einzigartiges historisches Stadtzentrum der Architektur-geschichte des 20. Jahrhunderts das vielleicht kostbarste Kulturerbe der Stadt Oberhausen. In seiner Orientierung auf den Lebenswert Gesundheit weist es den Weg in die Zukunftsgestaltung der Stadt. Verschreibt sich doch die Stadt mit ihrem Projekt O.VISION, das in den nächsten zehn Jahren auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks-Ost in der Neuen Mitte entstehen wird, der Gesundheit: „Eine Kathedrale und ein Marktplatz für die Dienstleistungen an der Gesundheit des Menschen soll O.VISION werden.“ (Burkhard Drescher)

Peter Pachnicke

© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Thomas Wolf