Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Soziale Räume

Soziale Räume zurück zur Übersicht

Bettina Steinacker, Bochum / Essen / Dortmund / Gelsenkirchen, 2003-2011 (zurück zur Übersicht)

In unserem Land existiert eine „Parallelgesellschaft“, die vielen gar nicht bewusst ist: 1/5 der Menschen leben in Armut. „Die Armen bleiben als Ausgegrenzte unter sich. Die Mehrheits¬gesell-schaft will mit ihnen nichts auf Augenhöhe zu tun haben. Man teilt nicht den Tisch miteinander, sondern spendet allenfalls und am ehesten das, was man selber nicht mehr gebrauchen kann.“

Seit der politischen Neukonzeptualisierung gesellschaftlicher Umverteilung (Einführung von Hartz IV) wurde die Trennung von „arm“ und „reich“ weiter zementiert. Hierbei geht es nicht nur um finanzielle Aspekte, sondern auch um die absolute Abtrennung von gesellschaftlicher Teilhabe der betroffenen Menschen. „Bürger/in ist man/frau nur als Marktteilnehmer/in.“ Der Staat zieht sich immer weiter zurück, so dass einige Einrichtungen ausschließlich durch Spenden finanziert sind.

Ein Teil der Arbeit in den Einrichtungen ist die unmittelbare Existenzsicherung: Essen, Trinken, Waschen, Kleidung, Wäsche waschen. Viele Menschen haben zudem psychische Probleme, oft bedingt durch traumatische Erfahrungen, Probleme mit Alkohol und/oder Drogen. Viele sind nicht mehr arbeitsfähig und permanent auf finanzielle Leistungen angewiesen. Viele sind aber auch einfach durch Arbeitslosigkeit Ihrer Existenzmittel beraubt oder schaffen es trotz mehrerer Jobs nicht, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Der andere Teil der niederschwelligen Angebote ist der menschliche: Zuhören, vermitteln, weitere Hilfeangebote vorschlagen.

Die Fotografien der Räume mit niederschwelligen Angeboten spiegeln oft die Widersprüchlichkeit der betreffenden Institution wieder: zum einen sollen sich die Menschen, die dort hinkommen wohlfühlen, ein Stück Ruhe, Geborgenheit, Fürsorge oder auch einfach das Gefühl einer sozialen Teilhabe erfahren. Auf der anderen Seite sollen die Räume nicht „zu gemütlich“ sein, sollen Menschen sich dort nicht dauerhaft einrichten wollen, da sie ja auf die Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse ausgerichtet sind, mit dem Ziel, auf die in den jeweiligen Problemen spezialisierte Einrichtungen weiter zu vermitteln.

© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Bettina Steinacker