Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Tanzen für Shiva

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Pascal Amos Rest, Essen / Hamm, 2004 (zurück zur Übersicht)

Tanzen für Shiva

...büffeln für die Uni, modeln auf dem Laufsteg – drei Hindu-Schwestern in Deutschland


Mir wurden drei Göttinnen geschenkt“, sagt Vimala Ambur. Göttinnen? Ihre drei Töchter Gayathri, 19, Laavanya, 24, und Sushmitha, 27, sind zwar bildschön, wirken aber hier im Essener Straßencafé ganz normal – junge Frauen eben, die bei Cola und Latte macchiato über sehr irdische dinge reden: Pläne, Alltag, Shopping, Mode.

Vor dreißig Jahren kamen ihre Eltern aus Indien nach Deutschland – der Vater als Maschinenbauingenieur, die Mutter als gelernte Tänzerin. Die Töchter wurden hier geboren, haben die deutsche Staatsbürgerschaft, machten das Abitur und studieren jetzt – alle drei entschieden sich für Medizin. Und doch haben sie noch ein zweites Leben: Sie sind, wie ihre Eltern auch, gläubige Hindus.

Szenenwechsel: Für ein Fest im Hindu-Tempel von Hamm sind die drei als Tempeltänzerinnen geschmückt – in den Haaren Blüten und Diademe, an den Handgelenken goldene Armreife, über den Saris Ketten aus Perlen und Edelsteinen. Gelernt haben sie den Tanz von ihrer Mutter, die Prüfung dann in Indien abgelegt. Doch was für westliche Augen wie ein prächtiges Folklore-Schauspiel aussieht, hat für sie eine spirituelle Bedeutung. Denn, so der Glaube der Hindus, Gott Shiva erschuf die Welt im Tanz, zerstört und erschafft sie tanzend immer wieder neu. Und wenn das Trio die anmutigen, seit Generationen überlieferten Bewegungen vollzieht, ist jede Drehung ein Gebet, jeder Schritt eine Botschaft des Brahams, der Weltseele, die ihren höchsten Ausdruck im Tanz findet.

Doch nicht nur dadurch sind sie Indien verbunden. ...

Text: Nina Rest

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