Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Zeche Zollverein

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Bernd Langmack, Essen, 1993-2003 (zurück zur Übersicht)

Industrielandschaften am Ende des Maschinenzeitalters

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Anmerkungen zu Schwarz-Weiß-Fotografien und Karbon-Pigment Prints B. Langmacks
von Corneel Voigt, DGPh

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„Ihre Fotografien zeigen deutlich die unterschiedliche Auffassung in der Wiedergabe derselben Objekte bzw. Ansichten im Vergleich mit Albert Renger-Patzsch oder Bernd und Hilla Becher. Sie nutzen das volle Sonnenlicht und beziehen den durch Wolken geformten Himmel bewusst in Ihre Fotos mit ein.
Dadurch bekommen Ihre Bilder fast eine Über-Wirklichkeit.''
(Jürgen Wilde, Albert Renger-Patzsch Archiv, 2001)


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B. Langmacks Industrielandschaften entstehen seit den achtziger Jahren mit der Großbildkamera auf Negativen im Format 4x5 bzw. 8x10 inch (etwa 10x12 bzw. 20x25 cm).
Jedes Negativ wird unter Berücksichtigung der Licht- und Kontrastverhältnisse des Aufnahmezeitpunktes nach dem Zonensystem belichtet und in der Dunkelkammer gesondert entwickelt.

Der weitere Weg der Bildherstellung besteht entweder in der konventionellen Dunkelkammer-Positivtechnik (klassischer Baryt-Print als Kontaktabzug oder als Vergrößerung) oder in den letzten Jahren alternativ auch im analog-digitalen Hybridverfahren; d. h. ausgehend vom klassisch erstellten Großbildnegativ in der Anwendung digitaler Bildverarbeitungstechniken zur Herstellung eines Karbon-Pigment Prints.

Auf diesem Weg wird zunächst ein extrem auflösender Scan des Negativs hergestellt, anschließend erfolgt die computergestützte Positiv-Verarbeitung. Dabei werden am Rechner nur Arbeiten durchgeführt, die der konventionellen Dunkelkammertechnik entsprechen (Ausflecken und Festlegen der Gradation des Prints).
Manipulationen, die den Charakter eines Bildes verändern, werden nicht vorgenommen.


Die Positive (Karbon-Pigment Prints) entstehen in limitierter Auflage mit Hilfe einer speziell für den Schwarz-Weißdruck entwickelten Software auf hochauflösenden Druckern unter Verwendung archivfester Pigment-Tinten auf Kohlenstoffbasis (Quad- oder Hexatondruck).
Im Gegensatz zu den klassischen fotografischen Printverfahren steht eine große Auswahl traditioneller und moderner archivfester Papiere zur Verfügung (z. B. die seit mehr als 400 Jahren produzierten Büttenpapiere der Hahnemühle).

Den speziell entwickelten Kohle Pigmenttinten wird durch das industrieunabhängige Wilhelm Research Institut in Kalifornien (www.wilhelm-research.com) je nach Tinten/Papierkombination eine Haltbarkeit von vielen Jahrzehnten bescheinigt. Verschiedene Hersteller reklamieren sogar eine Archivfestigkeit (Pigmenttinten/-Hadern-Papiere) von mehreren Jahrhunderten.

Technisch übertreffen die vorliegenden rasterlosen Prints das sog. Iris-Giclée Verfahren, das bisher den digitalen Bildverarbeitungsprozess komplettierte und aufgrund seiner guten Auflösung und Archivfestigkeit statt konventioneller Abzüge seit den 90er Jahren in immer größerer Anzahl in die Sammlungen amerikanischer Museen aufgenommen wurde.

Der künstlerische Wert der Fotografien von Bernd Langmack besteht jedoch nicht im technischen Prozess der Bildherstellung, sondern in der Visualisierung der Bildaussage vor Betätigung des Auslöseknopfes der Kamera.

In diesem Prozess der Prävisualisierung fließt die Fähigkeit des Sehens und Erkennens struktureller und kulturhistorischer Zusammenhänge eines fotografischen Objektes mit dem Wissen zusammen, wie diese mit der Kamera eingefangen - und anschließend mit Hilfe bildverarbeitender Prozesse sichtbar gemacht werden können.


Im glücklichen Falle entstehen dabei Bilder, welche die Industrielandschaften des Ruhrgebiets (und seit 2001 auch anderer klassischer Industrieregionen wie dem Saarland, Luxemburg und Lothringen) als Raum- und Zeitmarken der kulturgeschichtlichen Entwicklung in den Köpfen der Betrachter festigen:

„Über viele Jahre haben die Menschen der alten Industrieregionen versucht, ihre von Kohle und Stahl geprägte Vergangenheit zu verdrängen.
Mittlerweile werden die erhaltenen Relikte der Montan-Ära, die Zechen, Kokereien, Gasometer, Eisenhütten und Stahlwerke als Landmarken der kulturellen Entwicklung der Menschheit wahrgenommen. Meine Fotografie unterstützt diese Sichtweise.'' (B. Langmack)

© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Bernd Langmack