Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Die Camper

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Antje Hoefer, Dortmund / Gelsenkirchen / Haltern / Schwerte, 2001 (zurück zur Übersicht)

Meine Arbeit trägt den Namen „Die Camper“.

Was ist Camping?
Zitat: Ein temporäres, vergleichsweise enges Zusammenleben von Leuten, das zufällig oder organisiert sein kann, flüchtig bleibt oder unvorhergesehene Kontakte hervorbringt (Petra Emouts - Neuer Aachener Kunstverein)

Camping, das ist für die einen ungezügelte Freiheit und für die anderen eine der unbequemsten Arten, unterwegs zu sein. Die modernen Nomaden der Asphaltstraßen, die in jeder freien Minute aufbrechen um hinauszufahren, wahren einen großen Fundus an Geschichten, der weit in die Historie zurückreicht.

In ihren Berichten und Erzählungen verbergen und spiegeln sich die wahren Gründe, warum der Mensch bis heute seinen Nomadensein nicht verloren hat, und so oft es ihm möglich ist, dem festen Domizil die freie Natur vorzieht.

Camping, das ist Improvisation und ungebrochene Lebensfreude, das ist unterwegs sein pur. Ob mit dem Rucksack, Faltboot, Fahrrad, Motorrad, Auto, Caravangespann; der Camper kann in jeder Situation die Reisegeschwindigkeit und die Zielorte aufs Neue selbst bestimmen;
und ein Stück Häuslichkeit muss mit von der Partie sein.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in Europa die ersten Campingplätze eingerichtet. Seit dieser Zeit wächst die Gruppe der Camper ständig. Aus einer kleinen entschlossenen und naturverbundenen Gruppe von Menschen um die Jahrhundertwende ist eine Massenbewegung geworden.

In Deutschland setzte der Campingboom nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Mitte der Siebzieger erreichte er seinen vorläufigen Höhepunkt. 1988 zählte man in Deutschland
11,8 Millionen Camper und 5000 Campingplätze.

Auf dem Campingplatz trifft man auf eine Kitsch –Romantik. Der Camper umzäunt sein Reich. Er liebt den „Gelsenkirchener Barock“, eine Form deutscher Gemütlichkeit. Diese Gemütlichkeit ist der Todfeind, der Modernen Klassik, die sich der reinen Form und Schlichtheit verpflichtet. Auf dem Campingplatz findet man das genaue Gegenteil vor.

Das Zusammenleben auf dem Campingplatz ist ein gesellschaftliches Phänomen. Meine Arbeit soll die Frage beantworten, wie man sich auf begrenzten Raum frei fühlen kann.
Was bedeutet diese Freiheit?
Für mich ist es eine ästhetisch deprimierende Massenperformance –Männer mit dicken Bäuchen, Söckchen zu Sandalen.

Nun schaue ich mir die Bekleidung an:
kurze Hose, Badeanzug oder einen Jogginganzug, lockere meistens geschmacklose Kleidung. Diese Kleidung ist auf wundersame Weise auf die Farbigkeit von Vorzelten, Windbrechern und Teppichen abgestimmt.

Scheinbar fühlt sich der Camper in dieser Atmosphäre frei, weil er dort privat ist? Mein Eindruck ist, dass sich der Camper auf dem Campingplatz wie zu Hause fühlt –unbeobachtet von den anderen.
Andererseits ist das Campen auch ein Urlaubsersatz. Menschen, die keinen Garten oder Balkon haben oder an einer stark befahrenen Straße wohnen, drängt es in die Natur, wobei dieses Naturerlebnis von viel Plastikutensilien gesprengt wird.

Zu meiner Fotografie:
Meine Fotografie ist linear. Ich erzähle eine Geschichte über Campingplätze, die ohne das klassische Aufmacherbild auskommt; ohne Höhepunkt.
Sie versinnbildlicht meinen Blick auf das gesellschaftliche Phänomen.
Ich erzähle diese Geschichte in 19 Abbildern. Diese Abbilder sind Ausdruck meiner subjektiven Sichtweise.

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1/2004 Anje Hoefer

© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Antje Hoefer