Pixelprojekt_Ruhrgebiet - Nord

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Elmar Haardt, Essen, 2006-2007 (zurück zur Übersicht)

Aufgenommen in Essens nördlichen Stadtteilen Katernberg und Stoppenberg zeigt die Serie hauptsächlich Portraits, aber auch Interieur- und Außenaufnahmen. Elmar Haardt hat die Bewohner dieser Stadtteile rund um die Zeche und Kokerei Zollverein, die als „historisch vorbelastete“ Orte ihr Image als rußgeschwärzte Malocherbezirke bis heute nur schwer abschütteln können, vorwiegend in den eigenen „vier Wänden“ fotografiert. Haardt nutzt die räumliche Situation einerseits zur Verortung der Portraits, andererseits charakterisiert er damit die Ambivalenz des eigenen Daseins im privaten Lebensumfeld. Die Figuren changieren in ihrer Haltung zwischen Präsenz und Unsicherheit (der verlorenen wirkenden Deplatzierung auf einem ausladenden Möbelstück). Gleichzeitig fällt die aufgeräumte und sorgfältig gestaltete Wohnatmosphäre ins Auge, die eine beunruhigende Spannung zwischen Person und Interieur evoziert. Im Zusammenspiel von Bildhintergrund und Positionierung der Portraitierten finden im Moment des Stillstands – der fotografischen Aufnahme – Fragilität und Verletzbarkeit des Menschen ihren Ausdruck.

Elmar Haardt formuliert mit diesen „stillen“ Portraits und den Ansichten leerer Schlaf- und Wohnzimmer einen wertfreien Blick, der den Menschen als ein Individuum beschreibt, das jedoch letztendlich allein sich selbst und der äußeren Lebenswelt ausgesetzt ist. Er visualisiert damit eine allgemeingültige Beobachtung, die – ortsunabhängig – Fragen nach der Beschaffenheit existenzieller Bedingungen provozieren.

© Sämtliche Nutzungsrechte an den abgebildeten Fotografien liegen bei Elmar Haardt